Der Adler und die Eule
Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)
Der Adler Jupiters und Pallas Eule stritten.
»Abscheulich Nachtgespenst!« – »Bescheidner, darf
ich bitten.
Der Himmel heget mich und dich;
Was bist du also mehr, als ich?«
Der Adler sprach: Wahr ists, im Himmel sind wir beide;
Doch mit dem Unterscheide:
Ich kam durch eignen Flug,
Wohin dich deine Göttin trug.
I sit in the top of the wood, my eyes closed.
Inaction, no falsifying dream
Between my hooked head and hooked feet:
Or in sleep rehearse perfect kills and eat.
The convenience of the high trees!
The air's buoyancy and the sun's ray
Are of advantage to me;
And the earth's face upward for my inspection.
My feet are locked upon the rough bark.
It took the whole of Creation
To produce my foot, my each feather:
Now I hold Creation in my foot
Or fly up, and revolve it all slowly -
I kill where I please because it is all mine.
There is no sophistry in my body:
My manners are tearing off heads -
The allotment of death.
For the one path of my flight is direct
Through the bones of the living.
No arguments assert my right:
The sun is behind me.
Nothing has changed since I began.
My eye has permitted no change.
I am going to keep things like this.
Les oiseaux de proie
Charles-Marie Leconte de Lisle (1818-1894)
Je m'étais assis sur la cime antique
Et la vierge neige, en face des Dieux ;
Je voyais monter dans l'air pacifique
La procession des Morts glorieux.
La Terre exhalait le divin cantique
Que n'écoute plus le siècle oublieux,
Et la chaîne d'or du Zeus homérique
D'anneaux en anneaux l'unissait aux cieux.
Mais, ô Passions, noirs oiseaux de proie,
Vous avez troublé mon rêve et ma joie :
Je tombe du ciel, et n'en puis mourir !
Vos ongles sanglants ont dans mes chairs vives
Enfoncé l'angoisse avec le désir,
Et vous m'avez dit : - Il faut que tu vives. -
Dans cette cage où des bourreaux l'avaient jeté,
L'espérance faisait frémir ses grandes ailes,
Et sans que le malheur eût vaincu sa fierté,
Son regard convoitait les sphères éternelles.
Je mis fin à l'horreur de sa captivité ;
Son âme illumina ses puissantes prunelles,
Quand, déployant l'ampleur de ses formes si belles,
Il monta dans l'azur et dans la liberté.
Si ton coeur m'a gardé de la reconnaissance,
Tu peux payer bien cher ta simple délivrance,
Toi qui fuis maintenant vers les astres de Dieu !
Conquérant de l'espace, emporte ma mémoire !
Daigne m'associer à ton immense gloire,
Lorsque tu planeras dans le beau pays bleu !
"Küchlein, ihr Küchlein, wo ihr seid,
Lauft und versteckt euch! jetzt ist's Zeit.
Hört ihr, wie bang die Mutter ruft?
Seht ihr den Geier in der Luft?
Dort ist der Schuppen, eilt mit Hast,
Eh' er herabstürzt und eins fasst!"
Wie sie da steckten still verborgen,
Wie da die Henne lief in Sorgen,
Bis dass im Garten ein Schuss geschah!
Weg war auf einmal der Geier da.
Mutter rief froh ihre Lieben heraus,
Breitet' die Flügel über sie aus.
'Ich zôch mir einen valken mêre danne ein jâr.
dô ich in gezamete als ich in wolte hân
und ich im sîn gevidere mit golde wol bewant,
er huop sich ûf vil hôhe und floug in anderiu lant.
Sît sach ich den valken schône fliegen:
er fuorte an sînem fuoze sîdîne riemen,
und was im sîn gevidere alrôt guldîn.
got sende si zesamene die gerne geliep wellen sin!'
Übersetzung Deutsch
Ich zog mir einen Falken länger wie ein Jahr.
Als ich ihn gezähmt wie ich ihn wollte haben
und ich ihm sein Gefieder mit Gold umwickelt hatte,
er hob sich auf sehr hoch und flog in anderes Land.
Seither sah ich den Falken schön fliegen.
er führte an seinem Fuße seidene Fesseln
und sein Gefieder war ganz rotgolden
Gott sende sie zusammen, die einander gerne liebhaben wollen.
The Vulture eats between his meals,
And that's the reason why
He very, very, rarely feels
As well as you and I.
His eye is dull, his head is bald,
His neck is growing thinner.
Oh! what a lesson for us all
To only eat at dinner!
Thou dost not fly, thou art not perched,
The air is all around:
What is it that can keep thee set,
From falling to the ground?
The concentration of thy mind
Supports thee in the air;
As thou dost watch the small young birds,
With such a deadly care.
My mind has such a hawk as thou,
It is an evil mood;
It comes when there's no cause for grief,
And on my joys doth brood.
Then do I see my life in parts;
The earth receives my bones,
The common air absorbs my mind --
It knows not flowers from stones.
Über der Wüste schwebt ein Geier und späht nach der Beute,
Unten im Sande zieht keuchend ein Wandrer daher.
Jener möchte verhungern, und nirgends erblickt er ein Leben,
Dieser verschmachtet vor Durst, aber ihm rieselt kein Quell.
Da gewahren sich beide und brennen, zusammenzutreffen,
Hat doch der eine sein Fleisch, hat doch der andre sein Blut!
Durch!
Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
Ein Adler saß am Felsenbogen,
Den lockt' der Sturm weit übers Meer,
Da hatt er droben sich verflogen,
Er fand sein Felsennest nicht mehr,
Tief unten sah er kaum noch liegen
Verdämmernd Wald und Land und Meer,
Mußt höher, immer höher fliegen,
Ob nicht der Himmel offen wär.